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Es passt nicht immer

Das Scheidungsrisiko von Ehen zwischen Migranten und Einheimischen in Deutschland
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In den meisten europäischen Staaten haben Migration und ethnische Vielfalt in der Bevölkerung in den letzten beiden Jahrzehnten zugenommen. Es verwundert nicht, dass auch Ehen zwischen Einheimischen und Zuwanderern häufiger vorkommen, selbst in solchen Staaten, in denen die Barrieren zwischen ethnischen Gruppen bisher eher hoch waren. Die Forschung zu solchen Paardynamiken in Europa ist jedoch noch recht spärlich.

Nadja Milewski und Hill Kulu haben untersucht, wie sich die Scheidungsraten von Ehen zwischen Migranten und Einheimischen von den durchschnittlichen Scheidungsraten in Deutschland unterscheiden. Die Autoren erweiterten damit die bisherige Forschung auf zwei Arten: Erstens konzentrierten sie sich auf den europäischen Kontext, während bisher die meisten Studien in den USA durchgeführt wurden – einem Staat mit sehr spezifischen Beziehungen zwischen den verschiedenen Ethnien und Rassen. Zweitens nutzten sie mit dem deutschen Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) einen umfassenden Längsschnitt-Datensatz, der es in der Analyse ermöglicht, individuelle und Paareigenschaften zu kontrollieren.

 

Hohes Scheidungsrisiko für Ehen zwischen Einheimischen und Migranten

Die Analyse der Scheidungsraten bei den 5.648 untersuchten Ehen ergab, dass Ehen zwischen Migranten insgesamt ein geringeres Scheidungsrisiko aufweisen als Ehen zwischen deutschen Partnern. Ehen zwischen Deutschen und Zuwanderern enden jedoch mit größerer Wahrscheinlichkeit in einer Trennung als Ehen zwischen zwei Deutschen oder zwischen Zuwanderern aus demselben Land. Dieses Muster kann auch dann beobachtet werden, wenn  soziodemografische und individuelle Merkmale in der Analyse kontrolliert werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung erhöht sich darüber hinaus, wenn die kulturelle Distanz zwischen den Partnern groß ist, und wenn sie unterschiedliche gesellschaftliche Hintergründe aufweisen.

Diese Ergebnisse deuten zwar auf eine gewisse Instabilität ethnisch gemischter Ehen hin, was jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Scheidungsrisiko für solche Ehen in Deutschland und Europa auch künftig hoch bleibt.

 

Zukunftsszenarien

Die Autoren vermuten, dass die Scheidungsraten solcher Ehen in Zukunft zurückgehen werden, wenn man die Rolle der Nachkommen von Zuwanderern und die Zunahme an Kohabitationen berücksichtigt. In vielen europäischen Staaten handelt es sich bei interethnischen Paaren zunehmend um Partnerschaften zwischen Einheimischen und den Nachkommen von Migranten statt um Ehen zwischen Einheimischen und Migranten. Die Nachkommen von Zuwanderern sind im Allgemeinen besser integriert als die erste Generation und sind der Kultur und den Werten ihres Geburtslandes in hohem Maße verbunden. Dies sollte den Einfluss von Faktoren verringern, die in interethnischen Ehen üblicherweise für Instabilität verantwortlich sind. Was die Kohabitation betrifft, so begünstigt eine Zunahme des vorehelichen Zusammenlebens bei ethnischen Minderheiten möglicherweise ein besseres Zusammenwachsen vor der Eheschließung.

Doch Migranten, insbesondere diejenigen, die vor oder direkt nach der Einwanderung heiraten, haben meist die Chance einer solchen „Probeehe“ verpasst und werden aus rechtlichen Gründen wohl auch künftig keine Gelegenheit dazu haben. Im Gegenzug wird ein wachsender Anteil der migrantischen Ehen aus Migranten der zweiten Generation bestehen, deren Ehepartner ein Migrant der ersten Generation aus dem Herkunftsland ihrer Eltern ist. Somit könnten die Scheidungsraten auch in Zukunft moderat ansteigen. Wie zahlreiche Studien belegen, haben die Scheidungsraten in den letzten Jahrzehnten generell für alle gesellschaftlichen Gruppen zugenommen, weil (neben anderen Gründen) Frauen mit geringerer Wahrscheinlichkeit aufgrund finanzieller Abhängigkeiten bei ihrem Partner bleiben, wenn eine Ehe nicht funktioniert.

Welche dieser Szenarien der Wirklichkeit am nächsten kommen, wird voraussichtlich davon abhängen, in welchem Ausmaß die Zuwanderer die Einstellungen übernehmen, die die Traditionen und Institutionen ihrer Aufnahmegesellschaft gegenüber Geschlechtergleichstellung und familiären Normen aufweisen.

 

 

Please note that only the English version is citable as this is the version that has been approved by the author(s). Please cite the Digest as: Vono de Vilhena, Daniela and Matthiesen, Sigrun (2014): Mixing Does Not Always Lead To Matching: Exploring divorce risks for immigrant-native couples in Germany. FamiliesAndSocieties Digest 8. Berlin: Population Europe. Available at: http://population-europe.eu/pop-digest/mixing-does-not-always-lead-matching. (Date of Access)

This Population Digest has been published with financial support from the Progress Programme of the European Union in the framework of the project “Supporting a Partnership for Enhancing Europe’s Capacity to Tackle Demographic and Societal Change”.

 

Author(s) of the original publication: 
Writer: 
Daniela Vono de Vilhena / Sigrun Matthiesen