Montag, 16. Mai 2022 bis Mittwoch 18. Mai 2022
Bei den Berliner Demografie-Tagen diskutieren internationale Expertinnen und Experten aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit Ihnen über aktuelle Fragen des demografischen Wandels. An drei aufeinander folgenden Tagen geht es um die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, Europa und der Welt.
Die diesjährigen Berliner Demografie-Tage vom 16.-18. Mai 2022 widmen sich dem Thema „Jugend“. Dabei geht es unter anderem um Generationenfairness und gesellschaftliche Teilhabe, um die Folgen der COVID-Pandemie und Resilienz, die Bedeutung der frühen Lebensjahre für den Lebensverlauf sowie Strategien der Jugendpolitik.
Sie können das Programm und die Liste der Teilnehmer hier abrufen.
Die Stimme der jungen Menschen in der Politik
- Seitdem die "Generation Greta" auf der politischen Bühne angekommen ist, scheint die Stimme junger Menschen in der Politik mehr Gehör zu finden. Gleichzeitig äußern Vertreter von Organisationen, die sich für die Rechte der jüngeren Generationen einsetzen, die Sorge, dass die Altersverteilung in den alternden Gesellschaften verhindern könnte, dass sich diese zunehmende Aktivierung der Jüngeren in tatsächlicher politischer Macht niederschlagen könnte, da die älteren Generationen in den meisten Ländern der Welt noch längere Zeit dominieren. Inwieweit kann die Altersstruktur der Bevölkerung zu einer Zunahme von Konflikten zwischen den Generationen führen, insbesondere dann, wenn die Entscheidungen der heutigen politischen Entscheidungsträger und Wähler die künftigen Lebensbedingungen der jüngeren Menschen stark beeinflussen (etwa im Hinblick auf den Klimawandel oder die Herausforderungen des Rentensystems)? Wie denken Jüngere über die Rolle der Älteren in diesem Zusammenhang, und umgekehrt?
- Wie können wir mehr sozialen Zusammenhalt erreichen, indem wir die politische Teilhabe jüngerer Menschen innerhalb einer alternden Gesellschaft stärken, z. B. durch Bewusstseinsbildung an den Schulen, eine Herabsetzung des Wahlalters, die Ermutigung jüngerer Kandidaten zu einer Kandidatur für politische Ämter, Quotenregelungen u. ä.? Welche Erwartungen und wie viel Vertrauen haben jüngere Menschen an öffentliche Institutionen und die Regierenden, und wie denken umgekehrt die politischen Entscheidungsträger selbst über die jüngeren Generationen? Spielt Alter eine Rolle bei der Beurteilung des Potenzials der jüngeren Generationen?
- "Junge Menschen" werden oft als homogene Gruppe in Bezug auf ihre politischen Interessen angesprochen, aber welche Rolle spielt die soziodemografische Vielfalt jüngerer Menschen in Bezug auf Alter, Geschlecht, Bildung, Familie, ethnische Zugehörigkeit und Zugang zum Arbeitsmarkt für ihr politisches Verhalten? Und wie wirkt sich diese Diversität in ganz Europa, weltweit und vor allem in Gesellschaften aus, in denen jüngere Menschen einen viel größeren Teil der Bevölkerung als hierzulande ausmachen?
Einstellungen, Erwartungen und Krisenresilienz
- Die COVID-19-Pandemie hat sich stark auf das Leben junger Menschen ausgewirkt, z. B. durch Einschränkung des persönlichen Unterrichts im Klassenzimmer und des Zugangs zum Arbeitsmarkt, geringere Mobilität und weniger soziale Kontakte. Gleichzeitig haben Familien immer größere Schwierigkeiten, das Leben ihrer Kinder in einer von Schließungen, Quarantänen und Einschränkungen bei außerschulischen und Freizeitaktivitäten geprägten Atmosphäre so stabil wie möglich zu halten, während sie sich in vielen Fällen außerdem auch um ältere Familienmitglieder kümmern. Es wird von wachsender Isolation, Einsamkeit und zunehmenden psychischen Störungen bei jüngeren Menschen berichtet. Jüngere Menschen sind jedoch je nach Bildungsstand, sozioökonomischem Status und Lebensbedingungen unterschiedlich stark gefährdet. Welche kurzfristigen Auswirkungen und längerfristigen Folgen könnte die Pandemie nach derzeitigem Kenntnisstand für die verschiedenen soziodemografischen Gruppen jüngerer Menschen zeitigen? Diese Frage zu beantworten ist von großer Bedeutung auch im Kontext der alternden Gesellschaft, da die Grundlagen für erfolgreiches (bzw. -loses) und (un)gesundes Altern in der Regel schon in jungen Jahren gelegt werden.
- Welche Rolle spielen Krisen wie die COVID-19-Pandemie im Hinblick auf die Einstellungen, Ängste und Erwartungen jüngerer Menschen? Führen Ängste zu mehr psychischen Problemen - insbesondere während Krisen - und wie können wir jüngeren Menschen die angemessene Unterstützung bieten, die sie benötigen, um sich auf Krisen vorzubereiten, mit ihnen umzugehen oder sich von ihnen zu erholen?
- Welche Auswirkungen haben Krisen im Allgemeinen auf das Verhalten jüngerer Menschen, z. B. in Bezug auf ihre Fertilitätsabsichten, den Auszug aus dem Elternhaus oder den Eintritt in den Arbeitsmarkt, und ihr Risiko, später im Leben sozialer Ungleichheit ausgesetzt zu sein? Welche Lehren lassen sich aus der Pandemie, aber auch aus anderen Krisen im Hinblick auf die künftige Krisenresistenz jüngerer Menschen ziehen? Ist Unterstützung zwischen den Generationen wichtig, wenn es darum geht, krisenresistenter zu werden?
Jugend im Lebensverlauf
- Die Lebensverlaufsperspektive bietet einen sehr nützlichen Blickwinkel, um die demografischen Herausforderungen unserer Zukunft besser zu verstehen. Die äußeren Bedingungen in der frühen Lebensphase sind ein elementarer Bestandteil, um zu erklären, wie gut Menschen im späteren Leben dann in Bezug auf Gesundheit, Arbeitsmarktbeteiligung oder Wohlstand abschneiden. Die Chancen, ein aktives und gesundes Altern zu erreichen, hängen stark von Faktoren ab, die bereits in frühen Lebensjahren gegeben sind, wie z. B. Zugang zu gesunder Ernährung und sauberem Wasser, angemessene Gesundheitsversorgung und Bildung. Welches sind die wichtigsten Faktoren und Pfadabhängigkeiten, die dabei eine Rolle spielen?
- Viele junge Menschen erleben beim Eintritt in den Arbeitsmarkt kürzere oder längere Phasen, in denen ihr Arbeitsplatz unsicher ist. Wie wirkt sich dies auf ihren künftigen Lebensverlauf und den Übergang ins Erwachsenenalter aus, beispielsweise im Hinblick auf die Aufnahme einer Beziehung und eine eigene Elternschaft? Welche langfristigen Folgen hat die COVID-19-Pandemie in dieser Hinsicht - könnten diejenigen, die in ihrer individuellen Entwicklung am stärksten von den COVID-Einschränkungen betroffen waren, sogar zu einer "verlorenen Generation" werden?
- Wie sieht es schließlich mit nicht-linearen Lebensverläufen aus und was bedeutet dies für junge Menschen, da der traditionelle Lebensweg – in mehr oder weniger gerader Linie von der Schule in einen einzigen und beständigen Arbeitsplatz bis hin zum Ruhestand – immer untypischer ist und der Lebensweg junger Menschen zwischen Lernen, Arbeit und Ruhestand heute eher komplexer und von Zufälligkeiten geprägt ist und gelegentlich von einem Beschäftigungsverhältnis zu (mitunter unfreiwilliger) Selbständigkeit oder zu einer unternehmerischen Tätigkeit – und zurück führt?
Wie kann die Politik junge Menschen besser unterstützen?
- Bildungschancen und der Zugang zum Arbeitsmarkt sind von entscheidender Bedeutung, wenn wir vermeiden wollen, dass jüngere Menschen bereits in jungen Jahren Nachteile akkumulieren und als Erwachsene bzw. im hohen Lebensalter einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt sind. Sind die gegenwärtig angebotenen Dienstleistungen, Unterstützungs- und Förderprogramme für jüngere Menschen ausreichend? Sind sie leicht zugänglich und gehen sie hinreichend auf die wachsende Vielfalt unter jüngeren Menschen (z. B. nach Geschlecht oder Migrationshintergrund) ein? Sind die Programme ausreichend auf die spezifischen Interessen der jüngeren Altersgruppen und von Menschen im frühen Erwachsenenalter ausgerichtet? Wie können wir das Erlernen der für beruflichen Erfolg notwendigen Fähigkeiten und die Bildung junger Menschen weiter unterstützen, z. B. wie können die Systeme für den Übergang in weiterführende Schulen und die Berufsausbildung verbessert werden?
- Wie kann das individuelle Wohlbefinden, insbesondere in Bezug auf ein stabiles Einkommen und Wohnen, verbessert und die soziale Ungleichheit unter jungen Menschen verringert werden? Und wie können wir das zivilgesellschaftliche und das politische Engagement der jüngeren Menschen stärken?
- Über welche Kapazitäten verfügen politisch Entscheidungstragende, insbesondere auf lokaler Ebene, um politische Maßnahmen zu entwickeln, die auf junge Menschen zugeschnitten sind, und welche erfolgreichen Beispiele gibt es für jugendorientierte Maßnahmen?